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April 2014: Die Wolke bringt SAP den Wandel

 

Von Daniel Bernock

Walldorf. Die Zukunft der Software-Industrie liegt in der Wolke: Genauer gesagt im Cloud-Geschäft, wo Unternehmen Software für eine gewisse Zeit mieten, statt sie zu kaufen. Den Wandel in der Branche spürt auch die SAP deutlich. "Wir bauen immer mehr Schranken zwischen den Geschäftsfeldern ab", sagte Luka Mucic am Donnerstag im Gespräch mit der RNZ. Der 42-Jährige wird ab 1. Juli den Posten von Finanzvorstand Werner Brandt übernehmen.

Anfang des Jahres seien etwa die bisher getrennten Teams im Vertrieb und der Entwicklung für das Cloud- und das klassische Software-Geschäft zusammengelegt worden. Dadurch sollen Kunden stets einen Ansprechpartner haben - egal, für welches Produkt sie sich entscheiden.

"Wir müssen auf dem Weg in die Cloud unsere Arbeitsweise radikal ändern", so Mucic. Die Innovationsgeschwindigkeit in der Cloud sei zum Beispiel deutlich höher.

Das Thema Datensicherheit ist für die Kunden zwar ein wichtiges Anliegen, betont die SAP - eine Zurückhaltung bei Mietsoftware über das Internet spürt der Konzern jedoch nicht.

Viele Kunden nutzen sogenannte Hybrid-Lösungen, transferieren also nur gewisse Dienste in die Cloud. "Geschäftskritische Anwendungen lassen Unternehmen gerne auf ihren Servern", sagte Werner Brandt, derzeitiger Finanzvorstand der SAP. Die Cloud-Produkte seien vor allem sehr gefragt in den Bereichen Personal-, Vertriebs- und Kundenmanagement.

Insgesamt wuchs das wichtige Geschäftsfeld Cloud im ersten Quartal um 32 Prozent - ohne die negativen Währungseffekte in den ersten drei Monaten wären es sogar 38 Prozent gewesen. Das Geschäft mit klassischer Software ging hingegen leicht zurück, ohne Währungseinflüsse stieg es minimal. Umsatz und Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern legten jeweils leicht um zwei Prozent zu.

Die operative Marge, das Verhältnis von Gewinn zu Umsatz, stieg minimal und liegt nun bei knapp unter 25 Prozent. Bis 2017 will die SAP hier einen Wert von 35 Prozent erreichen. Der zukünftige Finanz-Chef Mucic ist sich sicher, dass dieses Ziel gerade mithilfe der Cloud erreichbar ist - obwohl der Bereich derzeit noch weniger profitabel ist als das Kerngeschäft. Mit einer steigenden Zahl von Kunden und nahezu gleichbleibenden Kosten soll auch die Profitabilität des Konzerns in der Cloud stetig zulegen.

Zudem landen die Umsätze durch das veränderte Bezahlsystem erst später in der Bilanz. Denn bei Cloud-Lösungen zahlen Kunden über mehrere Jahre einen ähnlich hohen Betrag. Bei klassischen Software-Geschäften ist eine hohe Summe bei Vertragsabschluss fällig. Laut SAP sind nach etwa drei bis vier Jahren die Erlöse von Cloud-Kunden höher als bei den üblichen Software-Angeboten.

Waren bisher die Cloud-Anwendungen besonders in den westlichen Ländern gefragt, vor allem in den USA, stiegen die Verkäufe im ersten Quartal in Asien stärker als im Rest der Welt. Das liege an dem noch niedrigen Markt vor Ort, sagte Mucic. Allerdings hätte die SAP dort als erster großer Anbieter eine gute Marktposition erlangt.

 

Quelle: Rhein-Neckar-Zeitung

 
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